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Leseproben

‚Traumjagd oder das Herz des Waldes’


Stille. Tiefliegender Nebel verschluckte die wenigen Lebensgeräusche des Waldes und seiner Bewohner. Noch herrschte Dämmerung, helle Dunststreifen verwischten die Umrisse der düsteren Waldschneise. Ab der Distanz einer Armlänge stachen taubeglänzte Konturen von nass polierten Steinen hervor und durchbrachen das eintönige Graudunkel des Waldbodens. Irgendwo in der Schwärze der Tannen löste sich ein Tropfen von seinem Ast, sein sanftes Fallen verdichtete das Diktat der Stille ins Unermessliche.
In weiter Entfernung erhob sich ein wimmernder Laut. Im Augenblick war das leise Brummen nichts als eine Betonung der herrschenden Lautlosigkeit, eine banale Beunruhigung ganz am Rande. Doch das Geräusch kam näher, wurde lauter, breitete sich plötzlich schnell und aggressiv aus. Die Luft füllte sich mit dem dröhnenden Motorengeräusch mehrerer schlammbespritzter Jeeps, die sich dem morastigen Weg voller Schlaglöcher Richtung Lichtung quälten. Rutschend, mit durchdrehenden Reifen und aufheulenden Motoren, sammelten sich die Jeeps auf dem unscheinbaren Platz und das Herz des Waldes wurde zum Parkplatz für die Jagdgesellschaft.